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Tierhaltung

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Huhner-Selbstversorgung-autark-QUICUMQUE

Von Hühnern

und Menschen

Ein Interview mit Ellen Sieber

 

 

Ellen Sieber, Jahrgang 1946, konnte Hühner nie leiden. Nun ist sie seit acht Jahren Hühnerhalterin aus Leidenschaft und vereint das Nützliche mit dem Schönen. Im zivilen Leben hat sie das Malerhandwerk erlernt und als studierte Graphikerin im Messebau gearbeitet. 

 

 

QCQ: Frau Sieber, wir haben gerade Ihre herrlichen Brahmas bestaunt. Riesenhühner. Gibt es da auch Rieseneier und Riesenbraten?

ES: Nein, leider nicht. Brahmas halte ich, weil sie so schön sind und so lustig laufen. Aber sie fressen sehr viel, legen wenig Eier, und es dauert zwei Jahre, bis ein Hähnchen Schlachtreife hat – und dann ist das Fleisch auch schon ziemlich fest.

 

QCQ: Haben Sie auch nützlichere Rassen?

ES: Ja, für die Eierproduktion habe ich Hybridhühner. Außerdem legen die Zwerg-Bielefelder-Kennhühner Eier und auch meine Zwerg-Welsumer. Von den Bergischen Krähern ist nur noch ein Huhn übrig. Das legt auch ab und zu ein Ei.

Masthähnchen habe ich keine. Bei mir schlüpfen ohnehin immer mehr männliche Küken als ich brauche, und die wollen aufgegessen werden. Die Hähne der kleinen Rassen verarbeite ich zu Suppe oder Frikassee. Die überzähligen Brahmas werden Brathähnchen.

 

QCQ: Was fressen Ihre Hühner, um edel zu sein, hilfreich und gut?

ES: Hühner sind der perfekte Ersatz für ein Hausschwein: sie fressen alles. Meine Hühner lieben gekochte Nudeln und Kartoffeln, Unkraut aus meinem Garten, geraspelte Möhren mit Öl, rote Beete, sie picken Suppenknochen sauber und fressen eingeweichtes altes Brot, das die Nachbarn vorbeibringen. Ich füttere außerdem Geflügelkörner, das ist eine Mischung aus Mais, Weizen, Muschelkalk und Gerste.

 

QCQ: Wie viel Geflügelkorn verbrauchen Sie?

ES: Naja, das ist für meine 40 Hühner, zehn Enten und zwei Gänse jede Woche ein Sack, 13 Euro für 25 kg. Wie gesagt, die Brahmas fressen viel...

 

QCQ: Wie viele Eier bekommen Sie in der Woche?

ES: Ich habe 26 Hennen und jeden Tag ungefähr zehn Eier – außer es ist zu heiß oder zu kalt, dann sind es nur drei bis vier pro Tag. Die Brahmas verderben den Schnitt.

 

QCQ: Haben Sie auch Glucken?

ES: Die Zwerghühner lasse ich gerne brüten, aber die Brahmas sind völlig ungeeignet: Sitzt eine Henne auf den Eiern, quetschen sich die anderen Hennen eierlegend und brutwillig dazu.  Eine brütende Henne ist wie ein Signal, quasi ansteckend. In dem Gedränge, das dann bei den Brahmas entsteht, werden die meisten Eier zertrampelt. 

Ich hatte anfangs eine Ente, die hat am Schluss auf über 40 Eiern gesessen, weil ich nicht aufgepasst habe. Unter einer Henne sollten nur so viele Eier zum Ausbrüten liegen, wie sie mit ihrem Körper und Federkleid bedecken kann. Das sind ungefähr zehn bis zwölf Eier. Liegen mehr unter der Henne, sind die äußeren Eier zu kalt. Die im Inneren des Nestes werden es spätestens dann, wenn die Henne deren Position im Laufe des Tages tauscht. Sie schubst in einer Art rollierendem System die Eier von der Mitte zum Rand, wobei die Randeier nach innen kullern. Ich arbeite übrigens am liebsten mit einer Brutmaschine.

 

QCQ: Muss man etwas Besonderes beachten bei brütenden Hühnern und Brutmaschinen?

ES: Die Eier sollten hier wie da nicht älter als 14 Tage sein. Im Nest markiert man die Eier am besten, damit man eine Kontrolle darüber hat, was der Henne von anderen Hühnern noch so untergeschoben wurde.

Die Eier dürfen nicht gewaschen werden. Außerdem muss man die Henne einmal am Tag vom Nest nehmen, damit sie trinkt und frisst.

Der Arbeitsaufwand bei einer Brutmaschine hängt davon ab, wie gut die Maschine ist. Dreht sie die Eier zum Beispiel automatisch? Sonst muss ich das nämlich dreimal täglich tun. 

 

QCQ: Wie lange muss ein Ei bebrütet werden?

ES: 21 Tage bei 37,5°C. Wir haben schon Brutkästen in Kindergärten aufgestellt, aber leider konnten da die Kinder das Schlüpfen der Küken nur in den seltensten Fällen beobachten, weil sich die Eltern um den Brutkasten gedrängt haben. Unser Grundschulprojekt funktioniert in dieser Hinsicht besser: freie Sicht auf die Brutkästen, da ohne Eltern.

 

QCQ: Was braucht man noch als Hühnerhalter?

ES: Auf jeden Fall braucht man ein Hühnerhaus, das trocken, luftig ohne Zugluft und vor allem fuchs- und mardersicher ist. Wer seine Hühner nicht allabendlich einsperrt, findet höchstwahrscheinlich am Morgen nur noch Leichen oder spärliche Federreste.

Dann sollte das Haus über ausreichend Stangenplatz verfügen, und die Stangen sollten auf einer Höhe sein – sonst geht nämlich das Gerangel um die höheren Plätze los. Oben wollen die Wichtigtuer sitzen, die Loser und das niedere Volk müssen unten bleiben.

 

QCQ: Müssen die Hühner Ringe tragen?

ES: Für den Hausgebrauch nicht zwingend, aber es empfiehlt sich, weil die Ringe eine einfache Altersbestimmung erlauben. 

 

QCQ: Welche Schädlinge und Krankheiten gibt es?

ES (seufzt): Viele. Besonders herauszuheben ist Newcastle, eine anzeigepflichtige Viruserkrankung, gegen die aber geimpft werden kann und muss und im Verein auch wird – kostenlos. Die Impfung erfolgt über das Trinkwasser. Großen Kummer macht Marek, ein Herpesvirus, der Lähmungen hervorruft und schließlich tödlich ist. Glücklicherweise kann man auch hiergegen impfen. Macht man aber eigentlich nur in großen Betrieben. Geimpft werden kann außerdem gegen Kokzidiose. Dann gibt es bei Hühnern noch Schnupfen, den man sich aber meist nur auf Ausstellungen holt, und eine ganze Batterie Parasiten. Würmer schaden den Hühnern; sie nehmen dann nicht zu und legen keine Eier. Vogelmilben saugen die Hühner aus, Federlinge fressen ihre Federn. Dazu kommen Raubvögel.

 

QCQ: Was kann man gegen Krankheiten und Mitesser tun?

ES: Neben Impfungen und Chemie gibt es bewährte Hausmittel gegen Infektionskrankheiten: vitaminreiches Futter und Kräuter. Brottrunk, Knoblauch, Essig oder Tee ins Wasser geben. Viel Auslauf im Freien und ein sauberes Hühnerhaus.

Gegen Vogelmilben, die sich die Hühner leider im Freien von Wildvögeln holen, muss man radikal vorgehen, sonst saugen sie die Hühner komplett aus. Sie hängen in dicken Trauben von den Sitzstangen, wenn man sie nicht sofort bekämpft. Hier helfen chemische Mittel oder das Besprühen der Milben mit einer Emulsion aus 25% Öl, 75% Wasser und ein paar Tropfen Spülmittel. Desweiteren kann man Holzasche oder Kieselgur auf den Boden des Hühnerhauses streuen, besonders in die Ecken. 

Gegen Habicht und Bussard habe ich zwei Krähen, die ihr Territorium verteidigen und dabei nebenbei auch meine Hühner. Allerdings kann ich bei diesen Wächtern nicht sicher sein, dass sie nicht auch das ein oder andere Ei oder Küken mopsen.

 

QCQ: Gibt es weitere gesetzliche Bestimmungen?

ES: Ja, natürlich. Neben der Pflicht, seine Bestände beim zuständigen Veterinäramt anzuzeigen, gibt es Auflagen zur Vermeidung der Verbreitung von Geflügelpest: Dazu gehört vor allem, dass Wildvögel nicht mit Futter, Wasser und Einstreu der Hühner in Berührung kommen dürfen. Meine Krähen hätschele ich deshalb an einem anderen Ort. 

 

QCQ: Was machen Sie, wenn eines Ihrer Hühner Eier frisst?

ES: Auf Eierfressen steht Todesstrafe, denn das bekommt man aus den Hühner nicht mehr raus. 

 

QCQ: Hühner scheinen sehr kleine Gehirne zu haben. Gibt es außer Vermehren und Fressen eigentlich etwas, was den Tieren Spaß macht?

ES: Hühner haben gerne was, womit sie sich beschäftigen können. Ein aufgehängter Kohlkopf zum Picken, ein umgegrabenes Stückchen Garten zum Scharren und Würmersuchen, ein Sandhaufen zum Baden – das macht Hühner glücklich. Daneben entwickeln manche Hühner auch selbst Spiele: Ich habe einen Brahma, der hat Freude daran, meinem Mann Beine zu machen, wenn er zu langsam durch den Garten geht. Dann rennt er hinter ihm her und versucht ihn in die Waden zu hacken. Aber neuerdings verteidigen die Gänse meinen Mann energisch, da hat der Brahma das Nachsehen.

 

QCQ: Sind Ihre Hühner gute Kandidaten für eine Selbstversorgungswirtschaft?

ES: Wenn es bei Selbstversorgung um geringen Futterverbrauch und viel Fleisch und Eier geht, sind die Hybridhühner oder speziell auf Eier und Fleischzuwachs gezüchtete Rassen sicher zu bevorzugen. Aber ich lege Wert auf ruhige Rassen, die man nicht ständig einfangen muss und die auch für die Nachbarn nicht gefährlich werden. 

 

QCQ: Welche Rassen sind gut für die Eierproduktion?

ES: Italiener sind robust, aber flugfreudig. Leghorn, New Hampshire und Wyandotten sind etwas bodenständiger. Bis auf die Leghorn eignen sich diese Rassen auch für Suppe und Backofen.