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Notversorgung

Notversorgung

aus QUICUMQUE 1 2015

 

                    1_Vorrat_5      

Grundausstattung 

für Stadt und Land

 

Kann es das geben, eine Liste von Dingen, über die

ein Selbstversorgung anstrebender Haushalt eigentlich

immer verfügen sollte, um einigermaßen unabhängig

zu sein?

Und zwar unabhängig davon, ob Selbstversorgung

ein Hobby oder eine unfreiwillige Notwendigkeit ist?

 

Wir sind dieser Frage nachgegangen und haben ein

paar Szenarien durchgespielt. 

 

 

 

Die Urfrage der technisierten Welt lautet:

Was passiert eigentlich,

wenn der Strom länger ausfällt? 

 

Was passiert, wenn weder Licht noch Heizung noch Herd funktionieren? Wenn kein Wasser mehr aus dem Kran und der Klospülung kommt? Wenn bargeldloses Zahlen und Tanken unmöglich ist?

 

Auch wenn sich unsere Infrastruktur von der amerikanischen elementar unterscheidet, hilft ein Blick über den Atlantik. Einige werden sich an die Folgen des Wirbelsturms „Sandy“, der 2012 über die Ostküste der USA hinwegfegte, für die Privathaushalte erinnern:

Millionen Menschen über Tage ohne Strom bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, lange Schlangen an den Tankstellen, erhöhte Polizeipräsenz, um Plünderungen zu verhindern. In der Metropole New York traf es die Menschen besonders empfindlich, da der Rhythmus der Stadt beinahe vollständig an die Versorgung mit Strom gekoppelt ist. 

 

 

Adäquate Antworten auf Technikversagen werden für jeden Einzelnen,

für Stadt- und Landbewohner, für Hausbesitzer und Mieter,

für Familien mit und ohne Kinder, für junge und alte Menschen unterschiedlich ausfallen. 

 

Die einen haben einen Brunnen im Garten, der sie mit Wasser versorgt, und sie können in die Natur gehen, wenn die Klospülung nicht mehr funktioniert. Die anderen wohnen im 10. Stock und haben, wie ihre Nachbarn, keine Ausweichmöglichkeiten. Der eine nimmt zwei Wochen Stromausfall sportlich und erinnert sich an Ferienlager mit kalten Büchsenravioli, der andere liegt gerade mit Schüttelfrost und Erbrechen im Bett und wünscht sich nichts sehnlicher als heißen Kamillentee und eine Wärmflasche. 

 

Aber Versorgungssicherheit ist nicht nur ein Thema für den Privathaushalt, es ist auch von nationaler Bedeutung. Im Deutschen Bundestag sind die Folgen längerer Stromausfälle bereits Gegenstand der Beratung gewesen. Der Bericht zur „Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung“ findet sich unter http:// dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/056/1705672.pdf. Man kann unter http://www.bundestag.de den entsprechenden Suchbegriff, z.B. Stromausfall, eingeben, um die verschiedenen Beratungen einzusehen.

 

 

In unserer ersten Folge wollen wir eine Notfallkiste für Stadt und Land zusammenstellen,

mit der man für einige Tage grundversorgt ist.

 

 

Meist fällt bei Stromausfall als erstes unangenehm auf, dass es plötzlich nicht mehr hell ist – weder von außen durch die Straßenbeleuchtung, noch von innen per Schalterdruck.

 

Der Dunkelheit entwöhnt, haben wir meist keine Vorstellung davon, wie dunkel es sein kann. 

 

Eine helle Taschenlampe ist ein unerlässlicher Helfer, der ohnehin betriebsbereit in jedem Haushalt vorhanden sein sollte. Taschenlampen und Laternen mit Dynamo oder aufladbarem Akku und Solarzellen sorgen über den Lebenszyklus von normalen Batterien hinaus für Licht. Batteriebetriebene Taschenlampen wiederum stellen, je nach Ausführung, exzellente Lichtverhältnisse her. Moderne LED-Taschenlampen erzeugen viel Licht bei geringem Batterieverbrauch: Vier 1,5 Volt Batterien reichen mitunter für 24 bis 48 Stunden Betriebszeit.

Zwei Zehnerpack Kerzen sind ebenfalls eine gute Notreserve, wenn man nicht sogar über eine Gaslampe nebst passenden Kartuschen und Feuerzeug nachdenken möchte. Bei voller Leistung (120 Watt) hält eine 400 ml Gaskartusche allerdings nur rund 5 Stunden, während 10 cm lange und 4 cm dicke Bienenwachskerzen 12 Stunden brennen. 

 

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Eine normale Haushaltskerze von 4 cm Durchmesser und 10 cm Höhe brennt ungefähr 10 Stunden, eine Bienenwachskerze 12 Stunden.

 

 

 

 

3 Dinge muss der Mensch: 

Essen, Trinken und Müssen

 

Moderne Haushalte haben die häusliche Vorratswirtschaft längst (und aus guten Gründen) in den Supermarkt ausgelagert. Hier kümmern sich Profis um täglich frische Ware und volle Regale. Aber bei Stromausfall überhaupt nur in ein Geschäft hinein- und damit an die Dinge, die man haben möchte, heranzukommen, kann sich als unüberwindbares Hindernis herausstellen. Ganz zu schweigen davon, etwas einzukaufen. Türöffner, Scanner, Kasse, Kartenzahlung: alles funktioniert elektronisch. 

Weil sich andere kümmern, haben wir verlernt, wie man zuhause Vorräte anlegt und verwaltet. Ohne Vorrat und ohne Strom fehlt es deshalb schnell an allem, und vor allem fehlt es schnell am Nötigsten: Wasser, sinnvolles Essen, Klopapier.

 

 

Wasser

Eigentlich läuft die Wasserversorgung in den meisten Gebieten der Republik über Schwerkraft und funktioniert deshalb ohne Strom. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Elementare Bestandteile der Wasserversorgung, insbesondere der Trinkwasseraufbereitung und -förderung (damit das Wasser an den Ort kommt, an dem die Schwerkraftsteuerung übernimmt), sind stromabhängig, weshalb länger andauernde Stromausfälle zu einem Versorgungsproblem führen können. Darüber hinaus entsteht ein Versorgungsproblem in den einzelnen Haushalten, wenn Wasser elektrisch in die oberen Etagen mehrstöckiger Häuser gepumpt wird.

 

Es mag zu den Regeln der Klugheit gehören, bei sich ankündigenden schweren Wettern 10 Liter Wasser pro Person und Tag zu speichern. Braucht man sie nicht für den Notfall, kann man später damit die Toilette spülen. 

Am einfachsten ist es natürlich, kultürlich ohnehin vorhandene Behältnisse volllaufen zu lassen: um die 270 Liter fasst eine normale Badewanne. Immerhin rund 67 Liter lassen sich in einer Duschtasse 12x75x75 cm sammeln. Wer weder über das eine noch das andere verfügt (keine Badewanne, bodengleiche Dusche) und diese Formen der Notreserve eher hinderlich und peinlich findet, der kann über einen Turm aus ineinandersteckbaren 10-Liter-Eimern nachdenken. Auch faltbare Wasserkanister aus Kunststoff nehmen unbefüllt sehr wenig Platz ein und sind zudem praktischer als Eimer, sollte man in die Verlegenheit kommen, Wasser von einer zentralen Vergabestelle herbeischaffen zu müssen. Größere Mengen Wasser lassen sich gut in flexiblen 40-Liter Plastikallzweckkörben speichern, die im normalen Leben ebenfalls nützliche Helfer sind. Allerdings sollte man bedenken, dass man diesen Speicher, wenn er gefüllt ist, nicht mehr gut bewegen kann. 

 

 

Essen

Wir haben Wasser, wir haben Licht – das ist für‘s Erste das Wichtigste. Alltag lässt sich mit diesem Diätprogramm natürlich nicht bestreiten. 

 

Für Berufstätige ist es wichtig, einen Vorrat an Nahrungsmitteln zu haben, der sich unkompliziert verwalten lässt, sich einigermaßen nahtlos in den üblichen Speiseplan einfügt, sich ohne längeres Kochen zubereiten lässt und möglichst wenig Platz benötigt. Kartoffel- und Apfelhorden sowie Sauerkraut- und Gurkentöpfe im Keller, Zwiebelzöpfe und Knoblauchbündel in der Laube scheiden damit aus.

 

Lange haltbar, unempfindlich und zur Not für den kalten Verzehr geeignet sind eingeschweißtes Schwarzbrot, Haferflocken, Konserven mit Sauerkraut, Gurken und Bohnen, Fisch- und Wurstkonserven. Damit die Stimmung nicht sinkt, sollten außerdem Vorräte an Kaffee und Tee angelegt werden. 

 

Um heißes Wasser für einen Tee oder Kaffee zu haben, insbesondere, wenn der Strom im Winter ausfällt, empfiehlt es sich, ein Campingkochset und Spiritus in die Kiste zu packen. Wenn man kleine Kinder hat, ist ein solches Notfallkochset ohnehin unentbehrlich, um in allen Lebenslagen warmes Essen zubereiten zu können. Wenn die Kinder größer sind und zelten gehen, findet es weitere Verwendung. Für den Einsatz eines Spiritusbrenners in der Wohnung muss man allerdings ein paar Dinge bedenken: Der Kocher darf nur auf feuerfestem Grund, wie beispielsweise einem Ceranfeld aufgestellt werden. Es sollte immer eine Löschdecke zur Hand sein und der Brenner darf niemals unbeaufsichtigt bleiben. Kochen mit Spiritus im Freien mag einfach sein – in der Wohnung wird es rasch gefährlich. Alternativ kann ein Fondueset verwendet werden, das ist mit dem entsprechenden Unterbau ohnehin für Innenräume gedacht. Für beide Varianten gilt die Vorschrift: kein Nachfüllen des heißen Brenners mit Spiritus, denn dieser ist sehr leicht entzündlich. 

Es braucht bei einem gut konzipierten Outdoor-Kochset bei 20° C Außentemperatur und Windstille ungefähr 10 bis 15 Minuten und rund 20 bis 25 ml Spiritus, um einen Liter Leitungswasser von ca. 12° C zum Kochen zu bringen. 

 

An Nahrungsmitteln sollte ein 2-Personen-Haushalt, der sich auf 2x1600 kcal setzt, pro Tag einplanen:

500 g Schwarzbrot = 1000 kcal

200 g Haferflocken = 600 kcal

700 g Sauerkraut = 140 kcal

250 g Bohnenkonserve = 250 kcal

400 g Dosenwurst = 1200 kcal

100 g Fischkonserve = 100 kcal

Mit 12 g Kaffee und 3 g Schwarztee pro Tasse lohnt sich ein Vorrat von jeweils einem Paket, das dann für mehrere Tage reicht.

 

 

 

Toilette

Wer einen Schrebergarten hat und ein bisschen öko ist, kennt sich meistens aus: Ein Trockenklo ist viel praktischer und hygienischer als seine Chemievarianten. Wenn man auf dem Land wohnt und über ein kleines Stück Garten verfügt, weiß man sich vorübergehend und ohne größeren technischen Aufwand ebenfalls diskret zu helfen.

 

Aber im 5. Stock eines Stadthauses hat man ohne funktionierende Toilette

ziemlich schnell ein ziemlich großes Problem. 

 

Um es gut zu lösen, ist es ratsam, flüssige von festen Ausscheidungen zu trennen. 

Sie können Urin normal in der Toilette entsorgen. Ohne Spülung wird es relativ schnell nach Ammoniak stinken, aber das mag unter den gegebenen Umständen erträglich sein. Etwas geruchsärmer ist ein Eimer mit Deckel, wenn man ihn täglich in den Gully entleert. Öffentliche Abwassersysteme arbeiten bis zu einem gewissen Grad mit Gefälle und nicht mit elektrischen Pumpen. 

Kot kann in zugeknoteten Plastiktüten entsorgt werden. Praktisch ist ein 2-Liter-Gefäß, das man mit einer 3-Liter-Tüte auskleidet, wobei die Tüte großzügig über den Gefäßrand geschlagen werden sollte, um hygienisch geschlossen werden zu können. 

 

Man tut gut daran, mit einzukalkulieren, dass man womöglich nicht viel Wasser zum Händewaschen hat. 

 

Der Vorteil der Tütenmethode besteht darin, dass sie in der Notfallkiste recht platzsparend ist. Wer weniger verschwenderisch mit Plastik und wertvollem organischem Material umgehen möchte, kann einen verschließbaren Eimer nehmen und den Kot mit einer dünnen Schicht Gesteinsmehl zur Geruchsbindung abdecken. Gesteinsmehl gibt es in 10-Liter-Gebinden. Klopapier sollte in einem separaten Beutel gesammelt werden. Das spart Gesteinsmehl und hält weniger leicht verrottende Materialien aus dem Kompost.

Wen die Aussicht auf ein Quäntchen mehr Komfort lockt, der sollte seiner Notausrüstung eine Packung feuchtes Toilettenpapier und eine Flasche Händedesinfektion hinzufügen. Ein Stück Seife und eine Tube Zahnpaste kann sich ebenfalls als nützlich erweisen, wenn die Türen der Drogerie länger verschlossen bleiben.

 

 

 

 

 

 

 

Dauerware

Packungsgröße

kcal/Packung

Bedarf für 4 Personen

und 1 Woche

Schwarzbrot

500 g

1000

14 Päckchen

Haferflocken

500 g

1500

6 Tüten

Sauerkraut

700 g

140

8 Gläser

Bohnenkonserve

250 g

250

14 Dosen

Wurstkonserve

400 g

1200

14 Dosen

Fischkonserve

100 g

100

14 Dosen

Kaffee 

250 g

0

2 Päckchen

Schwarztee 

100 g

0

2 Päckchen

 

 

 

Als Notreserve eignet sich Dauerware, die sich mindestens ein Jahr lang gut aufheben lässt und nicht gegart werden muss.