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Garten

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Der QUICUMQUE Aussaat- und Pflanzkalender

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QUICUMQUE_Aussaatkalender_Pflanzkalender

 

 

 

aus QUICUMQUE 1 2015

 

Vom Land ernährt

Planung der Selbstversorgung, Teil 1

 

 

Beetanlage

 

Einen ganzen Sommer lang kein Gemüse einkaufen: Geht das?

 

Generationen von Menschen haben sich aus dem eigenen Garten versorgt, weshalb die kürzeste Antwort auf die Eingangsfrage ein lapidares „Ja“ ist. 

Mittlerweile leben aber laut Weltbank 75 Prozent der Deutschen in der Stadt. Dort verfügen sie oft über wenig bis keinen Garten. Das bisschen Grünfläche, das Städter haben, muss sich dann noch den eigenen Bürozeiten und dem Terminkalender der Kinder anpassen.

Schlechte Bedingungen für Selbstversorgung? Nicht unbedingt, wenn man sich gut vorbereitet.

 

Selbstversorgung braucht Planung

 

Einen großen Anteil an der Selbstversorgung hat der Anbau von Obst und Gemüse: Essen muss jeder und gärtnern kann mehr oder weniger jeder, der über fruchtbares Land verfügt, sich ein bisschen Mühe gibt und nicht allzu viel Pech mit dem Wetter hat.

Ohne Planung geht im Gartenbau allerdings fast gar nichts. Wer erfolgreich ernten will muss sich Gedanken machen: über den zu bewirtschaftenden Boden, die zur Verfügung stehende Zeit, die Vorlieben und den Hunger der zu versorgenden Personen sowie die Größe der Fläche, die er allein oder im Familienverbund zu bewältigen vermag. Er muss wissen, wie er mit Erntefrust und Erntesegen umgehen kann. 

Wer sich schließlich entscheidet, freie Zeit zu schaffen und diese im Garten zu verbringen, dem stellen sich zusätzlich die typischen Gärtnerfragen:

  • Wie teile ich den Garten sinnvoll ein?
  • Wie, wann und wo sät man was?
  • Wie unterscheidet man Unkraut von Nutzpflanzen?
  • Welche Schädlinge gibt es und wie hält man sie fern?
  •  

Die zentrale Frage der Selbstversorgung lautet aber:

Wie viel verzehrbare Biomasse lässt sich aus einem Garten herausholen? 

 

Wenn es darum geht, ganz oder teilweise unabhängig vom modernen Warenfluss zu sein, dann ist die erste und wichtigste Frage die nach dem möglichen Ertrag des zu bebauenden Bodens. 

Fangen wir mit einer einfachen Modellrechnung an: Stellen Sie sich vor, Sie sind zu viert und essen jeden Tag einen Kopf Salat. Zwei Tage die Woche kommen Sie nicht zum Salatessen, aber manchmal haben Sie Besuch oder mehr Hunger .... macht über den Daumen fünf bis acht Kopf Salat die Woche. 

 

So könnte man kalkulieren:

Ein Beet sollte 120 cm breit sein – dann kommt man von jeder Seite gut an die Nutzpflanzen und natürlich auch ans Unkraut.

Kopfsalat beispielsweise muss im Abstand von 30 cm stehen, macht vier Reihen pro Beet. In der Reihe sollte ein Abstand von 25 cm eingehalten werden: 20 Pflanzen passen in eine fünf Meter lange Reihe.

Das ergibt 80 Kopf Salat pro Beet – unter Berücksichtigung, dass Salat ein typischer Lückenfüller ist, dem kein eigenes Beet zusteht.

Salat benötigt fünf bis sieben Wochen von der Aussaat bis zur Erntereife. Ein bis zwei Wochen kann der Salat dann, abhängig vom Wetter, im Beet verbleiben – danach schießt er und schmeckt dadurch bitter.

Wenn man acht Kopf Salat pro Woche isst und einkalkuliert, dass zwei Pflanzen pro Reihe nicht gedeihen oder den Schnecken zum Opfer fallen, muss man wie folgt rechnen und säen: 

Unter guten Bedingungen könnte eine Reihe von fünf Metern für zwei Wochen Salat erbringen, woraus sich wiederum ergibt, dass man alle zwei Wochen Folgesaaten vornehmen muss. Der Salat kann als typische Vorfrucht zwischen den Reihen oder den einzelnen Pflanzen der nachfolgenden Hauptfrucht sitzen. 

Was also gebraucht wird, ist eine Berechnung für all die Dinge, die man gerne aus dem Garten herausholen möchten, Vorfrucht, Zwischenfrucht und Hauptfrucht einkalkuliert, um die Fläche einerseits bestmöglich zu nutzen und andererseits nicht im Erntesegen unterzugehen. 

Vor der Ernte stehen allerdings eine ganze Reihe anderer Tätigkeiten an. Diese reichen von der Auswahl des zukünftigen Gartengrundstücks über die Bereitung des Bodens, die Einteilung der Felder für eine Fruchtfolge und der Beete für eine gute Nachbarschaft der Pflanzen, über die richtige Düngung des Bodens bis zur Erstellung eines Anzucht- und Aussaatkalenders, um den Garten optimal durch Fruchtfolge und Zwischensaat, durch früh- und spättragende Pflanzen nutzen können.

 

Grund und Boden 

Wenn man ein Stück Land für den Gartenbau erwirbt, steht am Anfang die Bereitung des Bodens. Meistens übernimmt man nämlich suboptimale Verhältnisse und Natur wuchert, wo Kultur blühen soll: Gras, Unkraut, Sträucher, Büsche und vielleicht sogar junge Bäume bedecken den Boden, der eigentlich das Mittag- und Abendessen tragen soll. 

 

Garten statt Fitnessstudio

Wenn man als Gärtner dem Unkraut Herr werden will, bleibt einem nichts anderes übrig, als im Herbst zuerst Gras und Unkraut mit der Wurzel auszureißen. Alles, was man später nicht im Garten haben möchte, muss akribisch beseitigt werden. Anschließend ist die gesamte Fläche tiefgründig zu lockern und umzugraben – mit dem Spaten, mit einer Motorhacke oder, mit etwas Glück, mit Traktor und Pflug. 

Um in einem rollenden System eine Fruchtfolge zu gewähren, teilt man den Garten am besten in vier Quartiere.

In die Starkzehrerbeete wird verrotteter Stallmist oder Kompost spatenstichtief eingegraben. Starkzehrer werden auch als 1. Tracht bezeichnet. Ihnen folgen im nächsten Jahr die Mittelzehrer (2. Tracht), die keinen frischen organischen Dünger brauchen.

Volldünger sollte in allen 4 Quartieren nach dem Umgraben oberflächlich leicht eingearbeitet werden. Um den richtigen Dünger in der richtigen Menge zu nutzen, empfiehlt es sich, eine Bodenprobe an ein Landesuntersuchungsamt zu senden. Die Bodenanalyse (inclusive Düngeempfehlung) kostet ca. 10 Euro.

Der Winter nimmt dem Gärtner mit der Frostgare einen Teil der Arbeit ab, so dass man im Frühjahr ein fruchtbares, feinkrümeliges Stück Erde vorfinden kann. 

 

Für das Umgraben eines 300 qm Grundstücks mit dem Spaten kann man 20 Stunden reine Arbeitszeit veranschlagen, für das Eingraben von Kompost oder Mist weitere 5 Stunden. 

 

 

Das Gewächshaus

Die von uns für das Gewächshaus ausgewählten Pflanzen sind sehr hungrig: der Boden benötigt mindestens Kompost und besser noch zusätzlich Volldünger.

Sollen Tomaten und Gurken das Gewächshaus bewohnen, muss eine räumliche Trennung der beiden erfolgen, weil Gurken ein wesentlich feuchteres Milieu bevorzugen als Tomaten. Das Gewächshaus muss deshalb über eine Zwischenwand verfügen, die im Idealfall mit einer Tür abschließt. 

Ab Ende April kann gepflanzt werden. Tomaten und Gurken müssen an Stäben hochgebunden werden. 

Keines der Gewächse verträgt Frost. Eine Kerze kann in kalten Nächten helfen, das Gewächshaus frostfrei zu halten.

Um ein günstiges warm-feuchtes Klima im Gewächshaus zu erzeugen, ist richtiges Gießen ebenso wichtig wie eine gute Belüftung an heißen Tagen – das gilt besonders für die Tomaten. Die Gurken sollten erst bei Temperaturen über 28°C belüftet werden.

 

Gewachshaus

 

Gießen 

Bei den Tomaten, Paprika und Auberginen ist darauf zu achten, die Blätter und Früchte nicht zu benetzen und für gleichmäßige, mittlere Bodenfeuchtigkeit zu sorgen, damit die Früchte nicht aufplatzen. Gurken und Melonen müssen gleichmäßig stark feucht gehalten werden (2-3 Liter pro Pflanze und Tag).

 

Ernte und Ertrag

Je nach Tomatensorte fällt die Erntemenge sehr unterschiedlich aus – die Sorten reichen von kleinen Cocktailtomaten bis zu großen Fleischtomaten.

Tomaten und Paprika können ab Ende Juli geerntet werden, Auberginen ab Mitte August.

Gurken reifen zwischen Juli und Anfang Oktober. Die Melonen sind ab August erntereif.

Pro Auberginenpflanze können ca. 6 Früchte geerntet werden, pro Paprikapflanze (Spitzpaprika) 10 Früchte.

Eine Gurkenpflanze kann zwischen Juli und Anfang Oktober bis zu 30 Salatgurken tragen. 

Pro Melonenpflanze kommt man auf ca. 5 Melonen.

 

Viel Arbeit, großer Lohn

Jede Pflanze braucht ihre besondere Pflege: Kartoffeln müssen zweimal gehäufelt werden, im Gegensatz zum pflegeleichten Schnittsalat muss Kopfsalat vereinzelt und umgepflanzt werden, Erdbeeren halten sich nicht an das jährliche Rotationssystem, die Obstbäume müssen an einen Pfahl gebunden und die Wurzeln vor dem Einpflanzen eingekürzt werden.

Schädlinge wollen abgehalten werden, allen voran Schnecken, Wühlmäuse, Kartoffelkäfer, Blattläuse und Kohlweißling, echter und falscher Mehltau und Krautfäule. Unkraut muss gejätet werden.

Das alles ist viel Arbeit und erfordert Geschick und Ausdauer.

Erntesegen ist eines der Ziele der Plackerei. Aber man sollte darüber nicht vergessen, dass beim Gärtnern, insbesondere wenn Selbstversorgung nicht Notwendigkeit, sondern Vergnügen darstellt, auch der Weg bereits Teil des Ziels ist.