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Artikel des Monats Januar

 

Selbstversorgung-QUICUMQUE-autark-Anzucht_auf_der_Fensterbank

Anzucht auf der Fensterbank

Will man ausgewählte Gemüsesorten anbauen, muss man in unserer Klimazone pfiffig sein. Wärmeliebende Pflanzen wie Auberginen, Salatgurken, Melonen, Tomaten und Paprika gedeihen hierzulande im Freien nur selten zur Zufriedenheit des Gärtners. Das rührt einerseits daher, dass meistens die Bodentemperatur vor Ende Mai nicht warm genug ist, und andererseits, dass die Wetterbedingungen spätestens Ende September ungünstig werden. Damit ist die Wachstums- und Erntezeit auf maximal vier Monate beschränkt. Das ist nicht zu üppig.
Anzucht auf der Fensterbank stellt eine willkommene Hilfe dar. Die Aussaatgefäße werden mit Anzuchterde gefüllt und die jeweiligen Samen darin ausgelegt. Das Gießen geschieht am besten mit einem Zerstäuber, damit die Saat nicht freigespült wird. Befindet sich die Fensterbank nicht unmittelbar über dem Heizkörper, ist eine Styroporplatte unter den Gefäßen eine gute Isolation. Ebenso wichtig ist Licht, deshalb zum Abdecken der Saaten Glasscheiben oder durchsichtige Plastikfolie (zum Beispiel gebrauchte Gefriertüten) verwenden. Die Raumtemperatur sollte bei 22 bis 24°C liegen und die Aussaat gleichmäßig feucht gehalten werden. Die Abdeckung wird entfernt, sobald die Saat aufgegangen ist. Weiter feucht halten.
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Artikel des Monats Dezember

Selbstversorgung-autark-QUICUMQUE-Kartoffeln_1

Kartoffeln

Die spanischen Eroberer brachten sie aus der neuen in die alte Welt, die diese Knolle zunächst kritisch beäugte: die Kartoffel. Der anfänglichen Skepsis zum Trotz fasste sie Fuß und wandelte sich von einer Delikatesse zum Volksnahrungsmittel. Womöglich ist der Zenit aber überschritten: Laut statistischem Bundesamt nimmt die Anbaufläche für Kartoffeln in Deutschland wieder ab und die für Silomais und Weizen zu.
Die Kartoffel wird schon seit 7000 Jahren in Peru kultiviert und weltweit gibt es mehrere tausend Sorten. Kaum ein Gewächs hat hierzulande so viele verschiedene Lokalnamen: Ibsen, Tuffeln, Ärbeln, Grombern, Ädäppel, Knullen, Bodaggn, Erdapfel und Erdbirne sind nur die geläufigsten. Naja, vielleicht mit Ausnahme der Ibsen – die kennt man wahrscheinlich nur im Oberwesterwald.
Ihr vergleichsweise einfacher Anbau und ihre unaufwändige Verwertung im Vergleich zum Getreide machten sie zum Sattmacher No. 1 in ganz Europa. Erst Mitte des 19. Jh. erhielt ihr Siegeszug einen Dämpfer, als Kartoffelkrankheiten aus Amerika Europa erreichten, allen voran die Kraut- und Knollenfäule.  Es kam zu Missernten und schlimmen Hungersnöten. Besonders betroffen war Irland in den Jahren 1845 bis 1852: 12% der Bevölkerung starben an Hunger, 2% wanderten aus.
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Artikel des Monats November

 

Selbstversorgung-autark-QUICUMQUE-Markkloeschen

 

Rindfleischsuppe mit Markklößchen

 

Das Mark aus dem Knochen einer großen Beinscheibe herauslösen und beiseite stellen. Die Beinscheibe abwaschen. Ein Stange Lauch, eine große Möhre und eine viertel Sellerieknolle putzen. Möhre in Stücke schneiden, Lauch in Ringe. Fleisch und Knochen mit dem Gemüse, einem Teelöffel Salz und zwei Litern Wasser aufsetzen. Im Schnellkochtopf eine Stunde kochen. Im normalen Kochtopf aufkochen und zwei Stunden simmern lassen, entstehenden Schaum bei Bedarf abschöpfen.

In der Zwischenzeit das Mark in einige Stücke zerteilen und in einer kleinen Pfanne dunkel ausbraten. Ausgelassenes Fett und Mark in ein Haarsieb geben und das Fett auffangen. Die festen Substanzen können entsorgt werden.

Jetzt geht es ans Improvisieren: Ein Ei mit ungefähr 100 g Paniermehl oder fein gemahlenem, ungesüßtem Zwieback verrühren. Zu Beginn lieber mit weniger Brösel (70 g) starten und später, wenn die Klößchenmasse noch zu weich ist, mehr zugeben. Alles mit Salz nach Geschmack, geriebener Muskatnuss (lieber zu viel als zu wenig), ein wenig Pfeffer und einem gerüttelt Maß an kleingehackter Petersilie vermischen. Dann das abgekühlte flüssige Mark zugeben und alles gut durchkneten.
Masse trotz Vorsicht zu trocken? Man kann sie mit flüssiger Butter und etwas Wasser retten. Masse zu klebrig? Portionsweise Brösel zugeben. Masse zu fad? Salz und Muskatnuss zugeben. Passt alles: Zwölf Klößchen formen.

Wenn die Suppe fertig ist, Beinscheibe herausnehmen. Am besten neben dem Herd platzieren und während der weiteren Kochschritte nach und nach aufessen. Die Suppe mit geriebener Muskatnuss und Salz abschmecken.
Die Klößchen in der fertigen, heißen Suppe 15 Minuten garziehen lassen. Auf keinen Fall kochen, sonst zerfallen sie. Zerfallen sie auch beim Garziehen, nicht traurig sein: Das passiert immer wieder. Entweder weil die Masse zu trocken war oder zu weich oder die Suppe zu kalt oder zu heiß oder man nicht rechtzeitig serviert hat. 

 

1 große Beinscheibe vom Rind
1 Stange Lauch
1 große Möhre
¼ Sellerieknolle
2 Liter Wasser
ca. 100 g Brösel
1 Ei
2 Bund Petersilie
Salz, Muskatnuss, Pfeffer

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Artikel des Monats Oktober

 

Selbstversorgung-autark-QUICUMQUE-Haltbarmachen

Haltbarmachen
Kompott, Gelee, Marmelade, Saft, Chutney

Unser 300 qm großer Garten (QUICUMQUE 1/2015) hatte an Obst – neben den Äpfeln – Pflaumen (Zwetschge), Mirabellen, Kirschen, rote und schwarze Johannisbeeren, Stachelbeeren, Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren anzubieten sowie Rhabarber.
Die Obsternte kann in Form von Saft, Marmelade, Gelee, Kompott und Chutney haltbar gemacht werden. Zum Kompott sei allgemein angemerkt, dass man die Früchte bis zur Füllhöhe (siehe „Kleines Einkoch-ABC“ am Ende des Artikels) in die Gläser schichtet und anschließend mit Zuckerwasser auffüllt. Wir geben in unseren Rezepten die jeweilige Konzentration des Zuckerwassers an und zusätzlich Schätzwerte für die zu verarbeitenden Obstmengen. So hat man eine ungefähre Angabe, wie viele Flaschen und Gläser und wie viel Zucker bereitstehen müssen.
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Artikel des Monats September

 

 

Elektromobilitat_BMW_i3

 

Elektromobilität

Versuch No 1

 

Elektromobilität, das klingt nach neuer großer Unabhängigkeit vom Öl, nach der Möglichkeit, die Kutsche mit dem eigenen Solarpanel zu füttern und eine weitere Nische der Selbstversorgung zu erobern. Es klingt auch nach verantwortungsvollem, emissionsfreiem Fahren.  
So dachten wir jedenfalls, als wir uns dem Thema zuwendeten. Wir hatten ja keine Ahnung, auf was für einen Recherchemarathon wir uns einlassen und was für ein Durcheinander auf uns lauert. Da wir Autos nutzen wie Telefone – ohne nähere Kenntnis der dahinter liegenden Technik, ohne besondere Modellpräferenzen und mit einer recht nüchternen Vorstellung von Funktionalität, ließ uns der Pkw-Informations-dschungel ziemlich schnell irgendwo zwischen Frust und Langeweile hin und her pendeln. Wir haben nichtsdestotrotz tapfer und in bester Selbstversorgermanier gehobelt und gebohrt.  


Flocken und unzufriedene Rennzäpfchen
Eigentlich gibt es Elektromobilität so lange es Autos gibt. Als weltweit erster Strom-Pkw gilt der 1888 in Deutschland entwickelte Flocken Elektrowagen. Und von Anfang an gab es verhältnismäßig flotte Kisten. Eine Art Rennzäpfchen mit dem putzigen Namen „die niemals Zufriedene“ (La Jamais Contente) brachte es schon 1899 auf 100 km/h.
In den 1920ern begann jedoch die große Verdrängung durch den Verbrennungsmotor, denn Sprit war billiger als Strom und man kam mit diesen Wagen damals wie heute deutlich weiter. Die Reichweite der Urstromer lag bei rund 100 km; keine allzu große Differenz zu vielen aktuellen Modellen. Lange Zeit war es still um die E-Autos, obwohl immer wieder welche gebaut wurden. Erst um die letzte Jahrtausendwende, auf der Suche nach Erdöl- und Emissionsfreiheit, wurde den Elektrischen neues Leben eingehaucht.
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Artikel des Monats August

Alles Essig

von Marion Wick

Marion_Wick_Logo

Selbstversorgung-autark-QUICUMQUE-Essig1

Es braucht zwar reichlich Zeit, einen guten Essig mit Hilfe einer Essigmutter zu erzeugen, aber dafür erhält man ein variantenreiches, mildes und leckeres Produkt.
Die Herstellung von echtem Fruchtessig ist dabei viel einfacher, als gewöhnlich angenommen wird. Auch die Weiterverarbeitung des selbst angesetzten Essigs zu Fruchtbalsamico oder seine geschmackliche Verfeinerung mit Kräutern, Früchten, Holz oder Rinden ist nicht besonders kompliziert. Wichtigste Voraussetzungen sind ein heller, aber nicht zu sonniger, dafür aber unbedingt frostfreier Platz und lichtdurchlässige Gefäße, die sich so verschließen lassen, dass Luft zirkulieren kann, aber keine Essigfliegen hinein kommen können.
Außer aus Zitrusfrüchten kann man aus fast allem, das man alkoholisch vergären kann, auch Essig machen. Es gibt allerdings einige Früchte und Pflanzen, die zwar möglicherweise guten Wein oder Bier, aber noch lange keinen guten Essig ergeben. Dazu zählen Birnen, Hagebutten und andere sehr säurearme Früchte. Auch ein Nesselbieransatz ergibt keinen guten Essig, Birkenbier dagegen schon. Wenn man Ungewöhnliches ausprobieren will, ist das allerdings kein Problem: Selbst Essige, die nicht gut schmecken, eignen sich immer noch gut zum Putzen.

Das wird gebraucht:
Essigmutter oder Kombuchapilz
Hefe (normale Backhefe)
Fruchtsaft
bei sauren oder herben Säften zusätzlich Honig, dunkler Sirup oder Zucker
lichtdurchlässige Gefäße, die sich mit Gaze oder Stoff so verschließen lassen, dass auch und vor allem Fruchtfliegen keine Chance haben hineinzukrabbeln.
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Artikel des Monats Juli

 

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Weniger ist mehr?

Wir sind uns nicht so sicher


Von Axenia Schäfer und Johannes Reich

aus: QUICUMQUE 3/2017

 

Es liegt voll im Trend, Konsum zu verweigern. Es liegt im Trend, sich und seinen Haushalt nicht vollzu­stopfen, bewusst zu entscheiden, was man einkaufen möchte, mit Verstand zu essen und zu trinken, sich der Informationsflut zu entziehen. Das Motto: Weniger ist mehr. Dafür gibt es lustigerweise Minimalismus-Coachings, Youtube-Anleitungen, Fernsehreportagen und jede Menge Ratgeberliteratur, von einschlägigen Facebookgruppen ganz zu schweigen. Schnell wird klar, dass der größte Überflussproduzierer, das Internet, auch für gewisse Minimalisten unverzichtbar scheint. Zumindest, sofern sie gehört und gesehen werden wollen. Gleich hier wird das Weniger-ist-mehr widersprüchlich.
Worum geht es – unabhängig von solchen verwirrenden Hinweiszeichen – beim Verkleinern und Runterschalten in der Hauptsache? Um die Hoffnung auf mehr Zeit für Menschen, die einem lieb und teuer sind, auf weniger Verbrauch, um Lebensgrundlagen zu schonen, auf mehr Genuss und Freude an dem, was man hat. Es geht um Hoffnung auf eine Art Reinheit und Sortiertheit, auf weniger Verpflichtung, auf neue Freiheit und Unabhängigkeit. Möglicherweise geht es auch nur um Sehnsucht nach neubiedermeierlichen Schneckenhäusern, nach Ordnung in Zeiten äußeren oder innerlich empfundenen Ordnungsverlustes.
Uns hat interessiert, ob die Rechnung immer und überall aufgeht, oder ob es nicht doch lohnt, Slogans durch Nachdenken zu ersetzen. Und zwar Nachdenken darüber, wo weniger und wo mehr gebraucht wird, damit am Ende nicht Preisgabe oder Selbstaufgabe drohen.

 

1. Einkaufen
Wir haben uns also umgeschaut und umgehört im Dschungel. Wir haben auch versucht, uns selbst ehrlich zu befragen. Nicht überrascht hat uns, wie viele es nervt, dass Sachen hunderttausendfach verpackt sind. Dadurch produzieren wir mehr Müll mit unseren Einkäufen, als uns lieb ist und nötig erscheint. Die Ökogurke im Plastikschlauch hat das Zeug dazu, Sinnbild des Überflüssigen schlechthin zu werden, wenn sie es nicht schon längst ist. Verpackt ist sie übrigens, damit sie im gemischten Supermarkt von ihren konventionell erzeugten Kolleginnen eindeutig unterschieden werden kann.
Einig waren sich alle darin, dass etliches von dem, was wir erwerben, nicht hinreichend haltbar ist. Das gilt besonders oft für Möbel und kleine Elektrogeräte. Entweder ist es billig zusammengeknallt und übersteht keinen Umzug, oder es wird von vornherein so gefertigt, dass Reparaturen teurer werden als Neuanschaffung. Bei Rechnern und Smartphones quälen die Updates, die selbst jüngere Maschinen so langsam werden lassen, dass man sich zu einem Neukauf gezwungen sieht.
Dann gab es noch das Reich der unnützen Anschaffungen – wie der untermotorisierte Fleischwolf, der kein Hackfleisch hinbekommt, oder der tausendteilige Werkzeugkoffer, von dem man doch nur drei Bits und den Zwölfer-Schlüssel im Einsatz hat. Und wer kennte es nicht, dass (hat man sich endlich aufgerafft) vollzogener Hausputz mit Ausmisten einen recht zufrieden zurücklässt. Der ein oder andere hat über die Tour sogar seine Kaufmannsseele entdeckt und verhökert den Überfluss mit Hilfe einschlägiger Online-Portale oder auf dem Flohmarkt. Andere nutzen Tauschbörsen oder verschenken, was sie nicht brauchen. Ein bisschen erinnert das an die Kaffeepäckchen, die früher im Geschenkpapier der ersten Gabe von einem Tantengeburtstag zum nächsten wanderten, bis das Haltbarkeitsdatum eine kritische Grenze erreichte.

Zwischenbilanz: „Weniger ist mehr“ scheint im Konsum-Kontext vorwiegend ein Konzept für Menschen, die bereits nicht wenig haben und noch mehr kaufen könnten. Wenn man in dieser Position ist, besteht schon ein Teil der Freiheit darin, zwischen viel, wenig und nichts wählen zu können. Leute, die nichts, wirklich gar nichts haben, und sich diesen Wahlspruch dennoch zu eigen machen, dürften Philosophen sein.


2. Vorläufervarianten digitalen Lebens
Teil an der Idee der Entschlackung und der großen Freiheit hat die Digitalisierung unseres Alltags: Statt Ordner voller Papier, statt gefüllter Bücher- und CD-Regale, statt an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit sein zu müssen, wird alles in die Cloud gepackt und man steuert sich und seinen Haushalt per App. Laut einer repräsentativen Studie von Splendid research haben fast 30% der Bundesbürger Smart Home-Anwendungen im Einsatz. Es hätte uns also nicht wundern müssen, wie viele Menschen um uns herum Freude an App-gesteuerter Technik haben – seien es Kameras zur Babyüberwachung, Uhren, die den Puls und die tägliche Anzahl getaner Schritte messen, oder Heizungs- und Jalousiensteuerungen.
Plastikgeld und Bonuskarten sind ebenfalls beliebt. Die Payback GmbH gibt an, dass derzeit in Deutschland 28 Millionen Einkäufer Punkte sammeln. Statista zufolge wurden 2014 hierzulande 700 Millionen Transaktionen mit der Kreditkarte getätigt und laut Check24 wurde weitere 1,02 Milliarden Mal allein im ersten Halbjahr 2014 mit der EC-Karte bezahlt. Schon länger beobachten wir, dass die Zahl derer, die auch größere Rechnungen bar begleichen, im Umfeld kleiner und kleiner wird. Die Abschaffung des Bargeldes wünschen sich einige Eiferer, Techno-, Büro- oder Autokraten sogar regelrecht – und nicht wenige Schafe solcher Wölfe.
Gründe für den oft gedankenlosen privaten Konsum all dieser datenhungrigen Technik: Auf den ersten Blick erscheint sie praktisch, bequem, schlank und übersichtlich, hilft sparen, macht Spaß, macht einen ortsungebundener, hält einen (etwa der Schrittzähler) zur Bewegung an. Aber genau besehen, hält es einen nur bei der digitalen Stange – daddeln rund um die Uhr. Und bei der digitalen Vermüllung, wie jeder an der ins Welt-Netz brandenden Flut von Selfies oder Fotos mit Essen darauf ablesen kann.
Den Kartenzahlern, Punktesammlern und Smarthomern scheint es wenig Sorge zu bereiten, dass ihre Aktivitäten im Hintergrund dokumentiert und ausgewertet werden. „Egal“, „ist halt so“ und „wer interessiert sich schon für meine Daten“, waren die häufigsten Antworten auf unsere Nachfrage. Bei der Lust an der digitalen Überwachung und Steuerung des Privatlebens zeichnet sich wohl eher eine Entwicklung zum „mehr ist noch zu wenig“ ab.

Wie viel Freiheit und Unabhängigkeit wird damit vergeben? Dazu zwei Gedankenexperimente: 1. Man stelle sich vor, die eigene Wohnung wäre verwanzt und videoüberwacht, die Post würde mitgelesen. Es würde protokolliert wie viel Stunden man am Tag im Bett liegt oder auf der Couch sitzt, wie oft man nachts wach wird, was man einkauft, ob man zuhause ist oder nicht, von wo aus man die Rollläden rauf und runter macht, welche politische Einstellung man hat, welche Zeitung man liest. Wie frei und unabhängig würden wir uns dann noch fühlen und welchen Einfluss hätte es auf unser Verhalten?
2. Man stelle sich vor, in der Krankenversicherung würden Zuschläge eingeführt, zum Beispiel für die, die zu viel Süßes und Salziges essen oder die zu viel Alkohol oder Milch trinken oder die zu viel Obst essen oder nicht die richtige Menge Zahnpasta und Zahnseide verbrauchen. Für die, die zu viel am Stück sitzen und für die, die nicht mindestens sechs Stunden pro Nacht schlafen. Nicht realistisch? Schon heute führen Versicherungen anhand von leicht zugänglichen, abgefragten oder freiwillig abgegebenen privaten Daten Risikobewertungen durch und es gibt verhaltensabhängige und folglich auch verhaltenssteuernde Tarife. Es wähne sich hier niemand auf der sicheren Seite, weil er meint, es träfe ja nur die anderen, die Unvernünftigen. Was „unvernünftig“ ist, bemisst sich nämlich eines Tages möglicherweise daran, was irgendeine Art von Kosten verursacht oder was eine Regierung, ein Monopol, Google, Facebook, eine Mehrheit oder eine mächtige Minderheit für zu teuer hält. Das kann das falsche Essen sein. Es kann völlig unvermutet ein Fahrstil sein, den man selbst für vernünftig hielt. Das kann auch zu viel Sicherheitstechnik im Auto sein, denn schwerverletzt überleben ist teurer als sterben. Wer das für zynisch hält, mag richtig liegen, ist aber vor einem bösen Erwachen nicht gefeit. Abgesehen davon büßt man die Freiheit der Entscheidung ein, was man selbst für vernünftig hält.
Noch nicht überzeugend genug? Dann ist es vielleicht die Realität aus China. Dort haben Internetkonzerne wie Alibaba und Tencent ein Bewertungssystem namens Sesame-Credits eingeführt. Es vergibt Punkte für Daten. Zu denen gehört das Einkaufsvolumen des Einzelnen bei den teilnehmenden Unternehmen und seine Zahlungsmoral. Aber auch Vollständigkeit der Informationen (zum Arbeitsplatz etwa oder dem Familienstand) sowie das Verhalten der digital verknüpften Freunde fließen in die Punktzahl ein. Mehr Punkte, größere Kreditwürdigkeit. Die chinesische Regierung wiederum arbeitet an einem ähnlich gestrickten „Social-Credit“-System. Darin werden Punkte für erwünschtes Verhalten vergeben. Bis 2020 soll jeder Chinese und jedes chinesische Unternehmen im Punkteverzeichnis erfasst sein. Von hier aus ist es nur noch ein Klick und jedermanns Posts und Likes und die Posts und Likes seiner digitalen Freunde, eigene Einkäufe und Einkäufe der Freunde, die eigene Zahlungsmoral und die der Freunde werden miteinander verrechnet. Das wird ein Fest: Eine Wohnung, eine Arbeit, eine Frau zu finden, kann vielleicht sogar unmöglich werden, wenn man, auch aufgrund seiner Kumpels, miese Werte hat.
Und wer jetzt noch denkt, dass China doch zum Glück weit weg ist: Facebook hat Patente für Systeme erworben, mit deren Hilfe man unter anderem die Kreditwürdigkeit eines Nutzers auf der Grundlage der Kreditwürdigkeit der mit ihm über das Netzwerk verbundenen Freunde beurteilen kann. Wenn dann bei uns Parteien an die Macht kommen, die immer schon mal „durchregieren“ wollten und von der neuen Gesellschaft träumen...
Zwischenbilanz: Weniger digital ist mehr – weniger Vernetzung ist mehr. Mehr mindestnotwendige Freiheit. Mehr existenzielle Sicherheit. Mehr Unversehrtheit. Mehr Bewahrung vor maligner Zerstörung. Mehr Wahrung meiner Kontrolle über mein Selbst. Mehr Mut, dem obszön wuchernden Anspruch Dritter auf Kontrolle meines Seins Einhalt zu gebieten. Mehr eigenes Denken und mehr Individuum. Aber noch – noch interessiert das kaum jemanden!

 

3. Wissen
Die Gespräche und Diskussionen auf der Straße, im Treppenhaus, am Abendbrottisch drehen sich nicht selten um Politik und Wirtschaft. Und immer wieder darum, was zu tun und zu lassen wäre. Und zwar am liebsten von den anderen: den Politikern, den Großkonzernen, den Arbeitgebern, den Landwirten, den Reichen, den Schulen, den Migranten und den Nachbarn, die grad nicht dabei sind. Bohrt einer tiefer, dahin, wo es kompliziert, unübersichtlich, zahlenlastig wird, werden die Schweigeanteile größer. Das liegt zum einen in der Natur der Sache, weil man mit zunehmendem Komplexitätsgrad mehr nachdenken muss. Das liegt aber auch daran, dass zu wenig gewusst wird, um das Viele argumentativ zu bewältigen. Wir haben zwar an dem einen Ende Menschen gefunden, die umfassend informiert und zudem gebildet sind, dafür an dem anderen Ende auch welche, die einfach keine Zeitung mehr aufschlagen und keine Nachrichten hören. Und dazwischen war ein sehr breites Feld aus unzureichendem Wissen, in dem wir uns selbst wiederfanden.
Gerne belächelt man die Ungebildeten des Mittelalters, die weder rechnen noch schreiben konnten und sich auf das verlassen mussten, was die Obrigkeit diktierte. Man wähnt sich demgegenüber aufgeklärt und ist überzeugt, sich seines eigenen Verstandes bedienen zu können. Auch den Mut dazu zu haben. Man wähnt sich wissend und darauf aufbauend zu eigenem Urteil befähigt. Hält das einer Prüfung stand? Wer kennt die Mitglieder des Bundeskabinetts und ihre politischen Positionen? Wer kann die Gewaltenteilung und die Zuordnung der Aufgaben richtig und einigermaßen vollständig erklären? Wer kennt die ersten 20 Paragrafen unseres Grundgesetzes? Wer weiß, welche Befugnisse der Bundespräsident hat? Wer kennt die Institutionen der Europäischen Union und ihre Aufgaben? Was sind Aktien und was Anleihen? Was bedeuten Freihandel und Globalisierung genau? Wie schaut man eine Statistik kritisch an? Wie funktioniert moderne Landwirtschaft mit und ohne öko? Wie programmiert und sichert man einen Computer? Wie funktioniert das deutsche Krankenversicherungssystem? Wie funktioniert künstliche Intelligenz und wie die natürliche? Warum glaube ich, die richtige Meinung zu haben? Woher habe ich diese Meinung überhaupt? Könnte viel Meinung nicht auch zu wenig sein?
Wo wir hinschauen, auch in den Spiegel, überall moderne Analphabeten, Gläubige, Unwissende. Nicht unbedingt auf jedem Gebiet – im Gegenteil, es gibt sehr viele Fachleute. Aber die sind eben auf das eigene Fach konzentriert und haben wenig Muße, sich mit dem zu beschäftigen, was man Allgemeinbildung nennt. Wir haben mehr Menschen gefunden, die sich darauf verlassen, dass es schon irgendeiner richtig weiß und richtig macht und dass jemand die relevanten Passagen, wenn es um die eigenen Belange geht, langsam vorliest. Dieses Verfahren ist aber nichts anderes als selbstverschuldete Unmündigkeit, wie Immanuel Kant sie vor über 200 Jahren definiert hat: „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, [...].“ Kant hat auch eine kernige Erklärung parat, was die Gründe hierfür sein könnten: „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen [...], dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen.“ Wenig ist oft und gerne schon zu viel, wenn es ums selbständige Denken (mit ordentlichen Argumenten statt bloßem Meinen) geht. Wenig ist oft und gerne schon zu viel, wenn es um Verantwortung für sich selbst und das Überwinden von Faulheit und Feigheit geht. Dabei dreht es sich nicht nur um Faulheit als Form von Bequemlichkeit. Es geht längst auch um Faulheit, die gar nicht mehr weiß, dass sie Faulheit ist – die gar nicht mehr weiß, dass da überhaupt etwas ist, etwa ein Feld, das durch die eigene Faulheit nicht beackert und bestellt wird. Es geht um die Faulheit, die nichts von sich weiß und in der Folge die eigene paradiesische Naivität als Überlegenheit des vollen Durchblicks missinterpretiert. Es geht um die Faulheit, die nichts von sich weiß, weil sich ihr zu lange ungestraft und konsequenzenlos hingegeben werden konnte. So lange, dass sie sich bestenfalls als Selbstüberschätzung entdecken ließe: Ich kann alles, denn ich habe Youtube-Anleitungen geschaut. Ich weiß, dass ich alles weiß, denn ich habe zu allem eine Meinung. Eine Meinung, die das ganze Erdenrund mit mir teilt – schließlich bin ich und like ich wie der kleine Rest der Welt auf Facebook. Ich youtube, also bin ich. Ich like, also bin ich. Ich poste, ich followe, also bin ich. Ich bin geliked, also bin ich. Wir liken uns und followen uns überall hin. Deswegen sind wir! Alle! Alles!
Ich bin, also denke ich... im Stakkato der internetkompatiblen Dreiwortsätze. Am liebsten mit dem Smartphone auf dem Klo hockend... also denke ich... denke ich ganz, ganz viele liebe Gedanken. Da soll mir einer mal dumm kommen und denken... Dann aber! Dann kommt er, der Shitstorm! Entfesselt vom selbst produzierten Scheiß... Sturm von meiner Scheiße, meiner göttlichen! Ich! ...ein Gott! ... der Scheiße! Ich scheiße, also bin ich! Heureka.
 
Faulheit und Feigheit sind so schwer zu bekämpfen wie Jakobs-Kreuzkraut. Deswegen sind auch in Demokratien Tugenden und Pflichten der Mündigkeit mühsam, aber mehr zu erlernen und jeden Tag aufs Neue hochzuhalten: Mehr Fleiß, Nachdenklichkeit, Selbstbefragung, Selbstkritik, Selbstbeschränkung, Disziplin, Bescheidenheit und Skepsis würde vielleicht weniger (in den sozialen Netzwerken dann auch noch sofort millionenfach wiedergekäuten) Schwachsinn nach sich ziehen. Und weniger Schwachsinn, weniger Ego­stuss, weniger vom Schlechten, davon kann es nie genug geben.
Die Aufklärung, besser: die Aufgeklärtheit, die es in den uns unmittelbar betreffenden Bereichen bräuchte – kommunale, nationale, europäische und internationale Politik, Geschichte, Wirtschaft, Ernährung, Informationstechnik und mittlerweile sogar in der Bildung, ist zwar jederzeit möglich, aber enorm anstrengend und womöglich auch nicht in ausreichendem Maße Teil der heutigen Schulpädagogik. Eine Studie aus dem Jahr 2012 offenbarte beispielsweise, dass 45% der Neunt- und Zehntklässler überzeugt sind, dass die alte Bundesrepublik keine Demokratie war, 39% denken, dass unser politisches System auch jetzt keine Demokratie ist, und fast ein Viertel meint, dass die Herrschaftsform des Deutschen Reiches von 1933 - 45 keine Diktatur war. Auch ein Blick in die Zahlen des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger verheißt nichts Gutes. Danach haben im Jahr 2014 zwar drei von fünf Deutschen über 14 Jahre regelmäßig eine gedruckte Tageszeitung gelesen und rund 45% Internetzeitungen aufgerufen. Aber schaut man auf das, was gelesen wird, dann sind es bei 86% der Leser die Lokalnachrichten. Nur 67% interessierten sich für Innenpolitik, 55% für Außenpolitik, gerade mal 34% für Wirtschaft und 31% für Wissenschaft und Technik. Zusätzlich fördert die weit verbreitete Copy-and-Paste-Praxis unter Lehrern, Schülern und Studenten nicht nur einen Bildungsnotstand, sondern zusätzlich digitale Monopole, deren Schranken- und Hemmungslosigkeit kaum noch verstanden werden, geschweige denn rückgängig gemacht werden können: Was nicht bei Google, Facebook, Youtube, Wikipedia und Amazon erscheint, ist schlicht nicht existent. Was dort nicht auf der ersten Seite und in den ersten Zeilen zu finden ist, fällt in der Informationsverarbeitung hinten runter. Spinnt man diesen Faden weiter, kann ohne Mühe Wissen, Geschichte, Kultur durch bloße GAFA-Nichterwähnung oder, noch effektiver, durch geeignetes Suchalgorithmendesign vernichtet werden. So wie die Taliban mit der Sprengung der Buddhastatuen von Bamiyan vorislamische Geschichte unsichtbar machten – nur geräuschloser.
 
Zwischenbilanz: Weniger kritisches Denken und weniger überlegtes Handeln ist nichts.


 
4. Schlussbilanz
Die QUICUMQUE befasst sich mit autarkem Leben und Selbstversorgung – wozu also die frommen Klimmzüge? Die Antwort darauf findet sich in der Vermutung, dass alles Wissen und Können rund um Kulturtechniken (etwa wie man Wasser aus der Tiefe und Essen aus dem Garten bekommt) traurig bleibt, wenn man nicht in einem Umfeld lebt, in dem man frei sein darf. Freiheit kann dabei (ganz pragmatisch) bedeuten, dass die Bewegungsmöglichkeiten des Körpers und des Geistes so wenig wie möglich durch vorhandene oder fehlende Gesetze eingeschränkt werden. Die besten Garanten hierfür scheinen weder Anarchie noch Diktatur noch Pseudodemokratie zu sein, sondern am ehesten Systeme mit faktischer Gewaltenteilung, demokratischer Legitimation des zeitlich zu beschränkenden Besitzes von staatlicher Gewalt, Debattierfreudigkeit in den Parlamenten und lustigen Bürgern – Menschen, die Lust daran haben, Freiheit zu pflegen und jeden Tag aufs Neue einzuüben.
Slogans können so fatal sein wie der Wunsch nach starken Führern und entmündigenden Regeln – alle drei verführen nämlich dazu, sein Hirn überhaupt nicht mehr mit Gedanken jeglicher Art zu belasten und die eigene Unfreiheit und sein Unwissen zu bejubeln. Monopole in den Bereichen Informationsvermittlung und Informationsaustausch, wie wir sie derzeit in der digitalen Welt selbst schaffen, können die Freiheit des Denkens erheblich beeinflussen und beschneiden. Ideologisierte Zwangswirtschaft kann das reichste Land in Armut und Chaos stürzen – siehe Venezuela. Politische Systeme können sich – man schaue nur nach Polen oder in die Türkei – schnell ändern, werden rigide und schränken individuelle und institutionelle Freiheiten ein. Oder man selbst wird rigide und verliert seine Großzügigkeit gegenüber dem Anderen, verliert den Blick für den Wert einer kontroversen Diskussion, verliert seine Risikobereitschaft und verlernt, das Durcheinander des Lebens auszuhalten und zu begrüßen.

Hohle Phrasen wie „Weniger ist mehr“ tragen nicht weit, es sei denn, man definiert, wovon es zu welchem Zweck weniger geben sollte und welches Mehr das nach sich ziehen könnte: Weniger vom Doofen, Eitlen, Selbstgefälligen, Faulen ist mehr Verantwortung, Freiheit, Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Wahrheit, Lebensbejahung, Erkenntnis. Auf dieser Grundlage wäre weniger vom Falschen mehr vom Richtigen, mehr Anstrengung und Konsequenz in die richtige Richtung und – vielleicht – mehr vom ersehnten Glück. 

 

 

Artikel des Monats Juni

 

Selbstversorgung-autark-QUICUMQUE-toten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Töten

Tiere und Pflanzen essen

 

Selbstversorger versorgen sich vor allem gerne selbst mit Essen. Dazu gehört die Garten- und Feldarbeit für viele genauso wie Tierhaltung oder Jagd. An der Nutzung von Tieren entzünden sich allerdings mitunter Debatten, deren Schärfe und Unerbittlichkeit uns nachdenklich gemacht haben. Aufrufe zur Verbreitung veganer Ideen und zur Intoleranz gegenüber Nichtveganern, die man im Internet findet, sind Auslöser für diesen kleinen Artikel übers Töten. 

Es geht uns nicht darum, Pro und Kontra einer veganen Lebensweise zu diskutieren. Wir sind sogar überzeugt, dass es eine ganze Reihe hervorragender Gründe für den Verzicht auf Fleisch und tierische Produkte gibt. Da wäre das Elend in der Massentierhaltung, ungeeignete Fischereimethoden, die Verrohung bei Tiertransporten oder in der Schlachterei, an der man nicht teilhaben will, der Klimaschutz, den zahlenmäßig weniger gasende Kühe und Schweine mit sich bringen. Da wäre die Herausforderung, sieben Milliarden und mehr Menschen satt zu bekommen, die Tierquälerei, die des Öfteren mit der Gewinnung von Wolle, Seide, Leder, Pelz und Federn einhergeht und Veganer konsequenterweise dazu bringt, auf sämtliche tierische Produkte zu verzichten. 

 

Was uns nicht überzeugt, ist das Hauptargument für ein Leben ohne tierische Produkte: dass Tiere grundsätzlich leiden, wenn man sie nutzt. Und überzeugt hat uns nicht der Umkehrschluss: dass Pflanzen nicht leiden. Wir sind uns auch nicht ganz sicher, ob Plastik und Baumwolle besser sind als Wolle und Leder. Weiterlesen...

 

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Artikel des Monats Mai

Selbstversorgung-autark-QUICUMQUE-Kase_1

Labsam

Käse selbst herstellen

 

Zu den erfreulichen Beschäftigungen in der Küche zählt die Käseherstellung: handwarme fette Milch,  Joghurt, übersichtliches Gerät und das Wunder der Verwandlung. 

Es gibt eine Unmenge an Käsesorten, aber nur ein paar verschiedene Käsearten. In der Hauptsache unterscheidet man Sauer- und Süßmilchkäse sowie Käse, der aus dem Nebenprodukt der Käseherstellung, der Molke, gemacht wird. Beim Molkenkäse werden die Milcheiweiße Albumin und Globulin, die noch in der Molke erhalten sind, durch Erhitzen denaturiert. Sauermilchkäse entsteht durch Dicklegen der Milch mit Hilfe von Milchsäurebakterien. Dabei gerinnt das Milchprotein Kasein. Handkäs, insbesondere im Zweiklang mit Musik, ist der bekannteste und sicherlich jenseits der hessischen Grenzen auch verschmähteste Vertreter dieser herrlichen Gattung. Ein stinkiger, schmieriger Käse, in Essig und Öl eingelegt und mit Zwiebeln bedeckt, scheint vielen kein mundwässernder Brotbelag zu sein. 

Beim Süßmilchkäse, wozu die meisten Weich-, Frisch- und Hartkäse gehören, lässt Lab die Milch gerinnen. Damit der Käse Geschmack bekommt und haltbar wird, muss er einige Tage bis Jahre reifen. Damit er beim Reifen nicht verdirbt, muss er gesalzen werden. Das geht, je nach Käsesorte, über ein Bad in Salzlake oder durch regelmäßiges Abreiben oder Abbürsten des Käselaibs mit Salz. 

Zur Anleitung ...

 

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Artikel des Monats April

 

Backesbau

 

Nicht jeder wohnt in einem Dorf mit eigenem Backhaus, noch weniger Menschen in einem Dorf mit einem Backhaus, das noch in Betrieb ist. Und längst nicht jeder hat Freude an gemeinschaftlichen Backtagen. Wer dennoch nicht auf die Vorzüge eines solchen Ofens verzichten möchte und über einen eigenen Garten oder eine ausreichend große Terrasse verfügt, kann sich einen kleinen Backes selbst bauen. 

 

Der Vorteil gegenüber dem Backen in einem konventionellen elektrischen Ofen ist zuallererst die Unabhängigkeit von Strom. Backen im Elektrobackofen kostet sehr viel Energie, die für die Zeit des gesamten Backvorgangs verfügbar sein muss. Mit einem Backes hingegen kann einerseits eine hauseigene Großbatterie geschont werden, wenn es darauf ankommt, mit selbsterzeugtem und -gespeichertem Strom auskommen zu wollen. Andererseits läuft ein kleiner Backes auch dann noch, wenn es zu Stromausfällen kommt.

 

Im Unterschied zum Elektroherd wird bei einem Backes der Ofen nur einmal pro Backgang mit einem Holz- oder Reisigfeuer im Backraum eingeheizt. Die Schamottesteine speichern die Wärme und geben sie dann über Stunden bei fallender Hitze ab. 

Die Temperatur beträgt anfangs 300°C und mehr. Zuerst werden deshalb in der Regel Pizza und Brote gebacken, am Schluss Hefekuchen und anderes Feingebäck. In einem Backes lassen sich natürlich auch Aufläufe und Suppen garen und zur Not Wasser erhitzen.

 

 

Die Wärme im Ofen geht auf vielfältige Weise verloren: Durch das Auskehren mit einem nassen Strohwisch senkt sich die Temperatur gleich zu Beginn etwas ab. Jedes weitere Öffnen der Ofentüre, z.B. um Brote einzuschießen, Feuchtigkeit abzulassen oder Backwaren herauszunehmen, kühlt den Backraum aus. Darüber hinaus hängt das Wärmespeichervermögen des Ofens natürlich von seiner Isolierung ab. 

Weil vielfältige Komponenten das Gelingen des Backesbaus und der Nutzung bestimmen, wollen wir hier die Bauanleitung für einen Backofen zur Verfügung stellen, der seit Jahren erfolgreich in Betrieb ist. Selbstverständlich kann auch mit anderen Materialien  und Techniken gebaut werden. Im Internet finden sich, neben einem Angebot an Fertigbausätzen und -öfen, reichlich Bauanleitungen und Foren. Zur Bauanleitung ...

 

 

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Artikel des Monats März

Selbstversorgung-Saatgutgewinnung-QUICUMQUE-autark

Saatgutgewinnung

Reinigung, Lagerung und Überwintern zweijähriger Samenträger

 

In der letzten QUICUMQUE haben wir einen ersten Einblick in die Saatgutgewinnung gegeben: Isolation, Bestäubung, Selektion und Dreschen standen auf dem Programm. In dieser Ausgabe soll es um Nass- und Trockenreinigung, Saatgutlagerung und das Überwintern zweijähriger Samenträger gehen. Genau wie in der ersten Anleitung greifen wir auf das umfangreiche Wissen und die Erfahrung von Steve Schwartz zurück, der in Luxemburg in seinem Kraitzschouschteschgaart ehrenamtlich Saatgut für samenfeste Sorten vermehrt.

Die Nassreinigung
Die Nassreinigung eignet sich für Gemüse, die ihre Samen in mehr oder weniger saftigen Früchten tragen. Dazu zählen Tomaten, Kürbisse, Gurken und Auberginen. Unterschieden wird zwischen einer Reinigung mit und ohne Gärung.
Die Gärung dient bei manchen Samen, vornehmlich Tomaten, dazu, ihre Keimfähigkeit bei gleichzeitig guter Lagerbarkeit überhaupt erst herzustellen. Ohne eine Schutzschicht, wie sie zum Beispiel Tomaten- und Gurkensamen umgibt, würden diese schon in der reifen(den) Frucht beginnen zu keimen. Bei der einen oder anderen Sorte sieht man das auch.
Für die Saatgutgewinnung werden große, reife Früchte genommen; faule und schimmelige eignen sich nicht. Man schneidet die Früchte auf – Tomaten quer und nicht von oben nach unten, damit alle Fruchtkammern geöffnet sind – und schabt die Samen mitsamt dem Fruchtfleisch in ein Glas. Jede Sorte für sich natürlich, wenn man bei der Aussaat nicht im Chaos versinken will. Hat eine Sorte kultürlich oder natürlich sowieso nur kleine Früchte, werden sie einfach nur zerdrückt. Bei größeren Mengen kann ein Mixer gute Dienste leisten: Man füllt ⅓ Früchte und ⅔ Wasser in den Mixer und zerkleinert die Masse mit kurzen Impulsen. Das Wasser hilft, dass die Samen unbeschädigt bleiben.

Nassreinigung mit Gärung
Das Gärglas nicht dicht verschließen, damit das Gas, das bei der Gärung entsteht, entweichen kann. Gelegentliches Umrühren bringt Sauerstoff in die Gärung und verhindert, dass sich eine dünne Hefeschicht bildet. Nach ein paar Tagen – unter günstigen Temperaturen mitunter schon am zweiten Tag – setzt die Gärung ein und baut die schützende Samenhülle ab. Wenn sich die Samen nicht mehr glitschig sondern rau anfühlen, ist der Vorgang abgeschlossen. Jetzt heißt es, keine Zeit verlieren und zügig den nächsten Schritt einleiten.
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Artikel des Monats Februar

 

Saatgutgewinnung

 

Saatgutvermehrung

 

 

Kraizschouschteschgaart ist der Name eines privaten Non-Profit-Projekts, das von Steve Schwartz ins Leben gerufen wurde. Seine Ziele sind unter anderem der Erhalt der alten Vielfalt samenfester Sorten und des Rechts auf freien Austausch von Saatgut und Pflanzen im privaten Bereich. Der Gärtnermeister erklärt auf seiner Homepage ausführlich, wie man aus samenfesten Sorten sein eigenes Saatgut gewinnen kann. Wir wollen in unserer QUICUMQUE in einer fortlaufenden Reihe dazu beitragen, dieses Wissen weiterzugeben. 

 

Warum Saatgut gewinnen?

Es gibt gute Gründe, sein Saatgut selbst zu gewinnen. Da wäre zum einen die Möglichkeit, geliebte Sorten auch dann noch anbauen zu können, wenn sie aus der Sortenliste der Europäischen Union gestrichen, also vom jeweiligen Saatgutproduzenten vom Markt genommen wurden. Zum anderen macht eigene Samengewinnung mit samenfesten Sorten unabhängig von gentechnisch verändertem und F1-Saatgut. Dieses bringt zwar oft einmalig hervorragende Erträge, die Pflanzen selbst produzieren jedoch (bei der Terminator-Technologie) sterile Samen oder Pflanzen, die in der nächsten Generation nicht mehr die gewünschten Eigenschaften haben. Samenfeste Sorten zu kultivieren und zu vermehren, ist Freiheit und Selbstbestimmung in einer so elementaren Frage wie der der Nahrungsmittelerzeugung. ZUR ANLEITUNG ....

 

 

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