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„Pi mal Daumen“ den Holzvorrat im Mai-Wald schätzen

(von Christoph Klose und Axenia Schäfer, 05.05.2020)

Wie viel Holz steht denn eigentlich in meinem eigenen Wald? Jetzt wo die vielen Pieper brüten und ich sowieso gerade daheim bin, ist Gelegenheit, den Holzvorrat im eigenen Wald für die nächste Brennholzsaison abzuschätzen. Wie das geht? Hier eine recht exakte „Pi mal Daumen“- Regel. 

 

1. Formel für den Holzvorrat

Der Holzvorrat in nutzbaren Festmetern je Hektar Waldfläche entspricht, grob vereinfacht folgendem Rechengang: 

Vorratsfestmeter (Vfm bzw. m³/ha [in Rinde]) = Baumhöhe (m) x Bestandesgrundfläche (m²/ha) x Formzahlfaktor (0,5) 

Die Formzahl drückt aus, dass sich ein Baum nach oben hin kegelartig verdünnt und eben kein Zylinder ist. Will man nur Brennholz im Wald machen, dann wird der stehende Vorrat im Wald (Vorratsfestmeter) noch um die bei Fällung und Aufarbeitung  entstehenden Holzernteverluste reduziert; das sind Schnittverluste und Äste unterhalb  der Derbholzgrenze von 7 cm (in Rinde) – also stärkere Durchmesser. Die Holzernteverluste kann man bei der motormanuellen Holzernte mit der Motorsäge mit 10% annehmen. Die Folgeberechnung für das nutzbare Brennholz ist:  

Erntefestmeter (Efm bzw. m³/ha [in Rinde]) = Vorratsfestmeter (Efm bzw. m³/ha [i.R.]) x Holzernteverlustfaktor (0,9) 

Will man diese Rumrechnerei einfach nicht haben, dann kann man die gesamte Brennholzvorratsrechnung reduzieren zu folgender Formel:

Erntefestmeter (Efm bzw. m³/ha [i.R.]) = Baumhöhe (m) x Bestandesgrundfläche (m²/ha) x Reduktionsfaktor (0,45) 

(Dabei besteht der Reduktionsfaktor 0,45 lediglich aus dem Produkt der Faktoren 0,5 x 0,9.)

Im ersten Schritt muss ich die Baumhöhe und die Bestandesgrundfläche in meinem Wald abschätzen, um den Holzvorrat je Hektar über die Faustformel zu ermitteln. 

                                                             

QUICUMQUE_Trick_12. Baumhöhen schätzen QUICUMQUE_Trick_2

Für die Baumhöhe gibt es verschiedene Schätzmethoden. Eine ganz einfache und geniale ist die Spazierstockmethode. 

Das beste ist, dass man mit Astmaterial aus dem Wald arbeiten kann: Am ausgestreckten Arm die Länge zwischen Hand und Schläfe mit dem Stock festlegen und anschließend den Stock um 90° aufrichten. Nun entfernt man sich vom Baum, bis sich dessen Spitze und die Spitze des Stocks in einer Visierlinie befinden. Von diesem Punkt aus die Distanz zum Baum mit dem Schrittmaß ermitteln und die eigene Augenhöhe (also Körperhöhe bis zu den Augen) dazu addieren. Das Ergebnis entspricht der Baumhöhe. Bei runden Baumkronen muss man etwas mutig sein und durch die Krone die Baumspitze erahnen (siehe Zeichnung).

 

Für unser hier angegebenes Beispiel nehmen wir an, das wir 4 Baumhöhen in einem Buchenbestand geschätzt haben. Die Baumhöhen sind: (24,5 m), (26 m), (25,5 m), (26 m); die einfache Durchschnittshöhe ist: (24,5 + 26 + 25,5 + 26) / 4 = 25,5 m.

 

3. Bestandesgrundfläche ermitteln

Die halbe Miete haben wir nun, um die Holzbeute im Wald zu ermitteln. Jetzt noch die Grundfläche im Waldbestand abschätzen. Das ist die Holzquadratmeterfläche aller Bäume in Brusthöhe (gemessen 1,3 m über dem Waldboden) je Hektar Waldfläche. Man ermittelt also die gedachte Holzfläche eines einzigen „Superbaumes“, der auf einer Fläche von 1 Hektar steht. Auch hierfür gibt es einen ganz einfachen Trick, der nur mit ein bisserl Rechnerei kombiniert werden muss. Mit Taschenrechner im Smartphone und jedermanns Grips sowie einem Zollstock ist das jedoch kein Problem. Ich ermittle die Breite meines Daumens und meine Armlänge, das ist die Länge zwischen Schläfe und Hand, also die Stocklänge aus der Spazierstockmethode. Mit den beiden Maßen errechne ich meinen eigenen „Daumen-Zählfaktor“: 

  1. Daumenbreite x Daumenbreite x 2500
  2. Ich teile dieses Ergebnis durch meine Armlänge.  
  3. Ich teile dieses Ergebnis nochmals durch meine Armlänge; dieses Ergebnis ist mein eigener „Daumen-Zählfaktor“ (ich verwende 1 oder 2 Stellen nach dem Komma und runde eventuell die 2. Nachkommastelle auf).

Beispiel: Daumenbreite (2,7 cm), Armlänge (78 cm); 

2,7 x 2,7 x 2500 = 18.225

18.225 / 78 = 233,65 

233,65 / 78 = 2,995 (also beträgt mein Daumen-Zählfaktor gerundet 3,0).  

Nun drehe ich mich an irgendeinem Ort in meinem Wald einmal um meine eigene Achse im Kreis, visiere am ausgestreckten Arm und über den Daumen jeweils die Bäume in Brusthöhe an und zähle die Bäume . Dabei gibt es drei Möglichkeiten, wie man einen Baum sehen und zählen muss: (a) der Baum erscheint breiter als der Daumen (Baum wird „voll“ gezählt), (b) der Daumen ist genauso breit wie der Baum dick erscheint (Baum wird zur Hälfte gezählt), und (c) der Daumen überdeckt die Breite eines anvisierten Baumes (Baum wird nicht gezählt). Die Summe der gezählten, also aufgenommenen, Bäume multipliziere ich mit meinem Daumen-Zählfaktor. Jetzt habe ich die Grundfläche an einem Ort in meinem Wald ermittelt. Um es etwas genauer zu haben, da mein Wald unterschiedlich dicht ist, muss ich an mehreren Stellen die Grundfläche ermitteln und dann den Durchschnitt bilden. 

Beispiel: Am 1. Aufnahmeort im Wald habe ich sieben Bäume „voll“ und sechs Bäume        „zur Hälfte“ gezählt (7 x 1,0 x Daumen-Zählfaktor 3 = 21 m²/ha plus 6 x 0,5 x Daumen-Zählfaktor 3 = 9 m³/ha, in Summe: 30 m³/ha Holz-Grundfläche). Am 2. Aufnahmeort waren es: acht „voll“ und sieben „halb“ gezählte Bäume (Grundfläche: 34,5 m²/ha). Der Durchschnitt dieser beiden Grundflächen beträgt nun: (30 + 34,5) / 2 = 32,25 (m²/ha).

QUICUMQUE_Daumen_1  QUICUMQUE_Daumen_2  QUICUMQUE_Daumen_3

 

4. Holzvorräte berechnen

Zum Schluss muss ich noch den gesamten Vorrat im eigenen Wald, der in unserem Beispiel eine Fläche von 0,665 ha besitzt, in Erntefestmetern (i.R.) per einfacherer Formel berechnen:   

Baumhöhe (25,5 m) x Bestandesgrundfläche (32,25 m²/ha) x Reduktionsfaktor (0,45) = 370 Erntefestmeter (Efm/ha [i.R.])

Für den Waldbestand ergibt das: 370 (Efm [i.R.]/ha) x 0,665 ha Waldflächengröße = 246 Erntefestmeter (in Rinde). Da man hier aber nur per Daumen und Spazierstockmethode schätzt, sollte man das Ergebnis in einer Spanne angeben. Danach könnte man z.B. sagen: „In meinem Buchenwald stehen ungefähr 220 bis 260 Erntefestmeter Buchenholz in Rinde.“ Auch sollte man wissen, dass u.a. tendenziell mehr Holz am Waldrand steht, und dass man die Daumenregeln zur Ermittlung von Baumhöhe und Grundfläche mit Messgeräten – auch selbstgebauten Geräten für die Grundflächenermittlung – wesentlich genauer haben kann. 

Brennholz wird meist als Schichtholz aufgestapelt; hierfür gibt es auch eine andere Maßeinheit, nämlich Raummeter (Rm), in manchen Regionen auch Ster genannt. Je nach Länge der aufgeschichteten Hölzer (ungespalten), hat man sich auf folgende Umrechnungsmaße von Festmeter auf Raummeter geeinigt: Ein Kubikwürfel aufgeschichtetes Brennholz mit der Kantenlänge 1 m beinhaltet 0,7 Festmeter Holz und 0,3 m³ Luftanteil. Werden die aufgeschichteten Hölzer länger, dann nimmt der Luftanteil immer mehr zu. Sind z.B. 2 m (von 1,5 m bis 2,49 m) lange Hölzer aufgeschichtet, dann beinhaltet 1 Raummeter nach allgemeiner Konvention nur noch 0,65 Festmeter Holz, bei 3 m Hölzern (2,5 m bis 3,5 m) sind es nur noch 0,60 Festmeter Holz. Natürlich kann man auch ungefähr abschätzen, wie viel Raummeter einen Festmeter bzw. wie viel Festmeter einen Raummeter ergeben. Dann muss man einfach Raummeter x Umrechnungsmaß für den Festmeter rechnen oder umkehren. Beispiel: 10 Raummeter x 0,7 Festmeter = 7 Festmeter; bzw. 7 Festmeter (Fm) / 0,7 = 10 Raummeter (Rm).  

 

 

 


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